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Der Offline Blog

Januar  2021

Zeige mir, wie du spielst und ich sage dir, wer du bist.

Moderne Spiele werden oft online gespielt. Man spielt im Netz gegen- und miteinander, Spielelizenzen und Downloads werden mit einem Nutzerkonto verbunden, Erfolge werden per sozialem Netzwerk mit anderen geteilt und den konsequentesten Spielgenuss hat man wohl in naher Zukunft mit "Game Streaming". Aber auch wer "nur" lokal auf dem Handy spielt muss damit rechnen, ist selten unbeobachtet.

Wir SpielerInnen ahnen im Prinzip, dass wir beim Zocken viel von uns preisgeben. Und es gibt ja eigentlich auch keine Alternative dazu. So füttern wir Google, Microsoft, Steam & Co. mit umfangreichen Informationen über unsere Spielvorlieben, -zeiten und natürlich -fähigkeiten.

Bei letzteren lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Denn unser Verhalten im Spiel widerspiegelt unser Verhalten im realen Leben. Unsere körperliche, geistige und auch soziale Leistungsfähigkeit lässt sich wunderbar beim Spielen "vermessen".  Je mehr verschiedene Spiele wir spielen, desto besser.  Es liegt auf der Hand, dass  Plattformbetreiber wie Sony, Steam, Microsoft und andere hier einen ungeheuren Datenschatz verwalten, dessen Ergiebigkeit nur noch durch die Leistungsfähigkeit ihrer KI-Rechenzentren begrenzt wird. Und natürlich, DSGVO sei dank, auch durch rechtliche Hürden der erweiterten Nutzung und Weitergabe der von den SpielerInnen gewonnenen Telemetriedaten.

So wird es also auch morgen noch passieren, dass wir beim nächsten Einstellungsgespräch einen Testfragebogen ausfüllen, auch wenn dessen Auswertung nur einen Bruchteil der Erkenntnisse bringt, die man aus unserem Spieleverhalten gewinnen  kann. Für übermorgen mag ich indes nicht garantieren, denn ich bin mir sicher, dass weder Sie noch ich dann überblicken, wem wir im Zusammenhang mit welchen Spielerlebnissen welche Datennutzungen genehmigt haben. Informationelle Selbtbestimmtheit sieht anders aus!

Was können wir tun?
Den alten Commodore 64 aus dem Keller holen?
Das Internet ausschalten, bevor wir die Konsole anwerfen?
Nicht mehr am Computer spielen?

So sehr ich ein gutes (Offline-)Schachspiel schätze, halte ich doch keine der Varianten für realistisch. Hier hilft weder Resignation noch schwarz-weiß Malerei. Stattdessen sollten qualifiziert und kontrollierbar der Datennutzung Riegel vorgeschoben werden. Im Sinne von Offline-Value heißt das eben nicht, dass ich detailliert vorgebe, wer was mit meinen Verhaltensdaten machen darf. Vielmehr muss deren Entstehung  verhindert werden.

Was wäre mit einer (geprüften) und einklagbaren Erklärung zum Computerspiel:
"Wenn Sie dieses Spiel kaufen, erfahren wir nur, dass sie bezahlt haben, aber nicht wer Sie sind. "
"Wenn Sie dieses Spiel herunterladen und installieren, erfahren wir nur, dass es legal auf Basis eines Kaufvertrages genutzt wird und das sie alt genug dafür sind."
"Wenn Sie dieses Spiel (legal) spielen, erfahren wir nichts."

Man mag es nicht glauben, aber noch vor 20 Jahren lief das genau so.